(Von Greg B. Grabinski)
Mittlerweile haben die Iraker gewählt. Dies hat man in Europa für schlichtweg unmöglich gehalten. Eigentlich hielt man es nicht für unmöglich, sondern man war von einem Desaster am Wahltag überzeugt. Aber was nicht sein darf, ist bekanntlich nicht. Genau diesem Motto folgte die Berichterstattung der deutschsprachigen Medien. Am besten zeigt dies ein Blick auf die Headlines in unseren Ländern und denen im englischsprachigem Raum:
- Spiegel Online: Dutzende Tote bei Attacken auf Wahllokale
- Süddeutsche Zeitung: Anschläge auf Wahllokale
- Frankfurter Allgemeine: Aufständische attackieren Wahllokale
- Der Standard: Blutige Anschläge auf Wahllokale im Irak
- ZDF: Wahl im Irak beginnt mit Anschlägen
- Stern: Blutiger Auftakt am Wahlsonntag
Trotzdem, ein paar dürftige Lichtblicke gab es:
- Neue Zürcher Zeitung: Terror gegen erste freie Wahlen im Irak (Okay, auch nur halbwegs, aber zumindest das T-Wort)
- Reuters Deutschland: Irakische Wähler trotzen einer Serie von Anschlägen
Dagegen englischsprachige Medien:
- Scotsman: Iraqis Brave Terror Threat to Vote, Leave UN Officials »Cautiously Optimistic«
- News24: Attacks fail to stop voting
- New York Times: Big Turnout in Baghdad Points to Success in Iraq Voting
- AP: Iraqis Defy Attackers in Historic Election
- Voice of America: Iraqis Brave Violence to Vote
- Reuters: With Occasional Smiles, Iraqis Brave Bombs to Vote
- AP: Iraq Voter Turnout Placed at 72 Percent
- Reuters: Iraqis Brave Bombs to Vote in Their Millions
- Reuters: Long Lines in Basra as Joyous Iraqis Go to Polls
Ein besonders Augenmerk sollte man in den englischsprachigen Medien vor allem auf die Meldungen von Reuters und AP legen, da diese im Prinzip in allen Medien (vor allem den Print) verbreitet werden.
Aber man muss unsere Medien verstehen: Sie kämpften seit mindestens zwei Jahren gegen Demokratie und Freiheit im Irak und jetzt sind alle ihre Bemühungen umsonst gewesen, weil die Iraker einfach so dem gesunden Menschenverstand folgten, wählen gingen und die europäischen Besserwisser ignorierten. Na, mal ehrlich Europa, sitzt der Stachel tief?

