(Bitte beachten: Stern.de hat inzwischen auf unseren “Offenen Brief” positiv reagiert. Das Schreiben fügen wir unten am Ende dieses Postings an. Hat tip: David Harnasch)
Sehr verehrte Damen und Herren bei Stern.de,
Ich wende mich an Sie, um meiner tiefen Besorgnis angesichts des Artikels “Feuer und Kugeln regneten auf uns nieder” Ausdruck zu verleihen. In diesem Artikel schreiben Sie, daß der Italienische Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari, der auf tragische Weise im Irak ums Leben kam, “ermordet” wurde. Durch die Verwendung des Wortes “ermordet” bezeichnen Sie die in die Schießerei verwickelten US-Soldaten als Mörder. Und wenn Sie behaupten, Calipari wäre “ermordet” worden, behaupten Sie implizit, daß die amerikanischen Soldaten in der Absicht ihn zu töten auf ihn zielten – obwohl es derzeit überhaupt keine Beweise gibt, die diese Behauptung stützen würden. Tatsächlich weisen sowohl die italienische wie auch die amerikanische Regierung alle Unterstellungen, daß der Tod Caliparis irgendwie beabsichtigt gewesen sein könnte, entschieden zurück. Beide Regierungen sind sich einig, daß sein Tod die Folge eines tragischen Unfalls war und KEIN Mord.
Stern.de: Calipari von US Soldaten “ermordet”
Die Verwendung des Wortes “ermordet” zeigt, daß Sie die Vereinigten Staaten und deren Bürger erneut verurteilen. Sie erklären US-Soldaten eines Mordes schuldig, ohne daß irgendwelche Fakten Ihre Behauptungen unterfüttern. Es scheint, als wären für den Stern die in den Unfall verwickelten amerikanischen Soldaten schuldig bis zum Beweis des Gegenteils. Es drängt sich leider generell der Eindruck auf, daß Amerikaner als ein Tätervolk dargestellt werden, dem man nicht trauen kann.
Leider scheint dieser Ausdruck anti-amerikanischer Gefühle um des Profits Willen bei Ihrer Publikation eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Das ist besonders deswegen besorgniserregend, weil die Amerikaner nicht die erste Gruppe sind, die von der deutschen Gesellschaft für alle Probleme der Welt zum Sündenbock erklärt wird. Ich möchte nur auf zwei (von vielen) Beispielen von unerhörtem Anti-Amerikanismus beim Stern aufmerksam machen:
Der unglaubliche Mangel an journalistischer Integrität und Verantwortungsbewußtsein, den man in “Feuer und Kugeln regneten auf uns nieder” und vielen anderen Stern-Artikeln über die Vereinigten Staaten beobachten muß, beunruhigt die Leserschaft von Davids Medienkritik und Medienkritik Online zutiefst. Wir fordern Sie auf, das Wort “ermordet” aus dem genannten Artikel zu entfernen. Weiterhin hoffen wir, daß Ihre Publikation künftig der Versuchung widerstehen wird, sich den Anti-Amerikanischen Gefühlen Ihrer Leserschaft aus finanziellem Interesse anzubiedern.
Mit freundlichen Grüßen
David Kaspar
Davids Medienkritik, Medienkritik Online
www.medienkritikonline.com
Nachtrag: Hier nun der Text des Schreibens von Stern.de an uns. Was immer wir an Stern.de sonst auszusetzen haben – hier wurde schnell und angemessen reagiert. Chapeau!
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben Ihre Kritik zum genannten Artikel “Feuer und Kugeln regneten auf uns nieder” soeben erhalten. Haben Sie vielen Dank für die kritische Begleitung unseres stern.de-online-Angebots.
Ihre kritischer Einwand zur Verwendung des Terminus “ermordet” im Zusammenhang mit dem bisher unaufgeklärtem Tod von Nicola Calipari ist vollends zutreffend. Für die mangelnde Sorgfalt bei der Textbearbeitung möchten wir uns im Namen der Redaktion entschuldigen.
Der Artikel wurde in der Zwischenzeit überarbeitet und die Wortwahl entsprechend korrigiert.
Diesen eindeutigen – aber hoffentlich einmaligen Fehler – möchten wir nochmals bitten zu entschuldigen und verbleiben mit freundlichen Grüßen,
Ihr stern.de-Team




