(Von Mohammed und Omar beim irakischen Blog “Iraq the Model“; Übersetzt aus dem Englischen von David Harnasch)

Das Volk hat gewonnen.
Wir würden gerne
der ganzen Welt mitteilen, was wir heute morgen getan haben. Wir können
die Gefühle, die wir erlebten, nicht ganz beschreiben, aber wir
versuchen, Ihnen so viel wie möglich davon nahe zu bringen. Heute früh
erwachten wir eine Stunde bevor der Wecker klingeln sollte. Tatsächlich
hatten wir letzte Nacht vor Sorge und Aufregung kaum geschlafen.

Das
erste, was wir auf unserem Weg zum Wahllokal heute früh sahen war eine
Kolonne irakischer Armeefahrzeuge auf Patrouille. Die Soldaten
munterten die Menschen auf ihrem Weg zu den Wahllokalen auf, dann rief
einer der Soldaten: „Wählt Allawi!“ Keine hundert Meter weiter blieb
der Convoy stehen und der verantwortliche Hauptmann brüllte den
Soldaten an: „Du bist Mitglied des Militärs und du hast absolut kein
Recht, irgendeine politische Gruppe zu unterstützen oder dich in die
Wahl der Leute einzumischen! Das ist die Armee des Irak, nicht die
Allawis.“ Das war wirklich ein gutes Zeichen, und die Menschen auf der
Straße…

applaudierten der Ansprache des jungen Hauptmanns. Die Straßen
waren vollkommen leer, abgesehen von den Patrouillen der irakischen und
der Koalitionsstreitkräfte und natürlich von den Kindern, die die
Möglichkeit nutzten, auf den Straßen Fußball zu spielen.

Alle
möglichen Gefühle schwirrten uns durch die Köpfe, während wir auf dem
Weg zur Wahlurne waren. Alle möglichen, außer einem Gefühl: Angst.

Man konnte den Stolz in der Luft förmlich riechen; alle, die wir aus
dem Wahllokal kommen sahen, streckten breit lächelnd ihre blau
markierten Finger in die Luft.

Ich
hätte mir kein schöneres Bild vorstellen können. Seit den frühen
Morgenstunden füllten sich die Straßen zum Wahllokal in meiner
Nachbarschaft mit Menschen, jungen, alten, Frauen und Männern. Die
Wahlbeteiligung war übrigens bei den Frauen höher. Um elf Uhr morgens
waren die Urnen in meiner Gegend schon fast voll. Niemand, der dieses
Bild sah, konnte Tränen der Freude, Hoffnung, des Stolzes und Triumphs
unterdrücken.

Der Klang von Explosionen und Schüssen war
deutlich zu hören, einige waren weit weg, andere nah genug, um die
Scheiben des Wahllokals erzittern zu lassen, aber niemand kümmerte sich
darum, es war, als würden die Leute diesen Lärm überhaupt nicht hören.

Wie
soll ich es nur beschreiben? Versucht, durch meine Augen zu sehen,
meine Freunde. Ihr habt den Tag der Freiheit für den Irak unterstützt
und heute haben die Irakis bewiesen, daß sie ihr Land und ihre Freunde
nicht enttäuschen.

Gibt es einen größeren Sieg als diesen? Ich glaube nicht.

Ich
erinnere mich an die ersten Kommentare, die bei diesem Blog vor 14
Monaten eingingen, als viele Leser fragten: „Das Modell? Vorbild für
was?“
Seht heute das Vorbild für Mut und den menschlichen Wunsch nach
Freiheit; Menschen, die durch das Gewehrfeuer gehen, um ihre Stimmen
abzugeben.

Gibt
es ein anderes Modell, daß an dieses Vorbild heranreicht?! Gibt es
Tapferkeit, die der irakischen gleicht? Laßt die verbleibenden Tyrannen
der Welt die Lektion dieses Tages lernen!

Bisher berichteten
die Medien nur über Explosionen und Selbstmordattentate, die viele
Irakis getötet und verletzt haben, aber das konnte die Irakis nicht
davon abhalten, um so entschlossener zu den Wahllokalen zu marschieren.
Über dem Irak ging heute wirklich die Sonne auf.

Ich ging
weiter zu meinem Wahllokal, machte mein Kreuz und ging dann zur
Wahlurne, wo ich so lange wie möglich verharrte, dann ging ich meinen
Finger markieren – ich presste ihn so tief in die Tinte, als würde ich
allen Tyrannen der Welt die Augen ausdrücken. Als ich meinen
Stimmzettel einwarf, kamen mir Tränen, die ich nicht zurückhalten
konnte; ich zitterte vor Freude und wollte fast die Wahlurne umarmen,
aber der Aufseher lächelte mich an und sagte: „Bruder, bitte geh
weiter, die anderen Leute warten darauf, dranzukommen.“

Ja
Brüder, macht weiter und füllt die Wahlurne! Diese Ereignisse werden
auf die hellsten Seiten der Geschichte geschrieben werden.

Es
war schwer für uns, das Wahllokal wieder zu verlassen, aber wir waren
glücklich, denn wir waren sicher, daß wir wieder und wieder und wieder
vor der Wahlurne stehen werden. Heute gibt es keine lautere Stimme als
die der Freiheit!

Keine Unklarheit mehr was die Leute wollen,
sie haben ihre Meinung ausgedrückt, sie haben sie klar und deutlich
geäußert und die Welt muß den Willen des Volkes respektieren und
unterstützen.

Gott schütze Eure mutigen Schritte, Söhne des Irak! Und Gott schütze die Verteidiger der Freiheit!

Aasha Al-Iraq…Aasha Al-Iraq…Aasha Al-Iraq.

Mohammed und Omar.

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