(Von Paul13)

SPIEGEL online

Dass es bei allen schönen Bildern durchaus Differenzen gibt, vor allem hinsichtlich der Frage, ob es der US-Regierung in Iran auch auf einen Regimewechsel geht – wie manche auch in den Führungskreisen in Berlin vermuten – hat Schröder indirekt deutlich gemacht. In Anspielung auf die jüngste Rede des US-Präsidenten, dem iranischen Volk bei seinem Kampf um Freiheit zur Seite zu stehen, erklärt er, der Streit gehe nicht darum, ob man für Demokratie in der Welt sei. Das sei er, Schröder, auch. Was man aber diskutiere, so der Kanzler viel sagend, sei “die Frage der Instrumente”.

Da spricht der Kanzler einen wichtigen Punkt an. Wenn man einen Politiker fragt, was für Ziele er erreichen will, sagt natürlich jeder erst mal “Friede, Freude, Eierkuchen”. Die interessante Frage ist aber nicht die nach dem WAS, sondern die nach dem WIE, also wie er das gemeinsame Ziel denn ereichen will. Denn selbst wenn alle gute Absichten haben mögen, sind deswegen noch lange nicht alle auch gleichermaßen in der Lage, mit den von ihnen gewählten Methoden diese in die Tat umzusetzen.

Alle wollen z.B. den Arbeitslosen helfen. Die einen, indem sie ihnen möglichst viel Geld zahlen, damit sie in ihrem Arbeitslosendasein nicht unzufrieden sind, die anderen, indem sie es komplett beenden, indem sie ihnen einen Job verschaffen. Beide Varianten haben zwar dasselbe Ziel, aber äußerst unterschiedliche Erfolgaussichten. Jeder mag hier für sich entscheiden, was denn die erfolgversprechendere Variante ist.

Genauso ist es im Iran. Der Kanzler und seine Freunde in der Achse des Friedens wollen natürlich auch Demokratie im Iran. Sie bauen darauf, daß wenn wir lieb zu den Mullahs sind, sie beschenken und verwöhnen, ihnen nach jeder Greueltat auch noch die andere Wange des Opfers hinhalten, sozusagen das gute im Menschenrechtsverletzer sehen, daß sie dann irgendwann einfach begreifen MÜSSEN, daß wir und der große Satan und die Juden eigentlich doch feine Kerle sind, und unsere Demokratie eine tolle Sache. Der Kanzler kann sich nach seinen bisherigen Erfahrungen offenkundig nicht vorstellen, daß mal jemand seinem Charme nicht erliegen könnte.

Bush hingegen sieht das alles recht schlicht. Die Mullahs können die Unterstützung von Terroristen einstellen, ihr Atomwaffenprogramm stoppen, Israel anerkennen, und sich demokratisieren. Alles freiwillig und unblutig. Nur falls sie es vorziehen sollten, das nicht zu tun, zieht man ihnen eben den Stecker raus. Das mag vielleicht nicht so elegant sein wie Schröder’s Lösung, aber es hat einen Vorteil: Es funktioniert auch dann, wenn die Mullahs nicht einverstanden sein sollten. Und auch hier mag jeder für sich entscheiden, was denn die erfolgversprechendere Variante ist.

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